Drei Vorhaben für den Oktober

Oktober Symbolbild

Der gute alte Vorsatz. Auch wenn diese Art der mentalen Selbstversprechen mittlerweile etwas verpönt sind, finde ich sie schön. Sich Dinge vornehmen und auf ihre Tauglichkeit prüfen ist eine nützliche Sache, um sich selbst weiterzuentwickeln.

Würde ich eine Weile überlegen, mir würden tausende Dinge einfallen, die ich ändern möchte. Glücklicherweise habe ich mittlerweile gelernt, dass viel wenig bringt. Stattdessen möchte ich mich im Oktober auf drei Kleinigkeiten beschränken:

+1 Mehr Sport machen

Ich denke, die Gründe hier aufzuzählen wäre Quatsch. Wir alle wissen von den Vorteilen der Bewegung und warum das Couch-Potatoe-Tum uns nicht gut tut.

Trotzdem sei erwähnt, dass ich mich in letzter Zeit schwach fühle und morgens kaum aus dem Bett komme. Ich bin gespannt, ob mehr Bewegung mich fitter durch den Herbst bringt.

+2 Weniger Kaffee trinken

Zu meiner Schande kann ich keine großen Oden an den Kaffee halten. Vom Rösten und Mahlen hab ich keine Ahnung. Er schmeckt mir einfach gut und ist mein stiller Begleiter beim täglichen Mails checken.

Mir geht es hier nicht ums Ganz oder Gar nicht. Nur reduzieren möchte ich meinen Kaffeedurst auf eine gute Tasse am Tag. Vor allem aber möchte ich aus der Gewohnheit raus. Nach dem Aufstehen die French Press bereitstellen ist eben nur ein eingespielter Ablauf und keine bewusste Entscheidung. Schluss damit!

+3 Nur noch gut über andere Reden

In der aktuellen „Emotion“ habe ich ein tolles Interview mit Melodie Michelberger gelesen. Unter anderem sagte sie, ihr ihrer Agentur sei es verboten, schlecht über andere Frauen zu reden.

Ich war absolut beschämt, dass das keine Selbstverständlichkeit ist. Und dabei meine ich nicht beschämt von der Gesellschaft, sondern exklusiv von mir selbst. Warum habe ich diese furchtbare Eigenschaft, ständig alles bewerten und kommentieren zu müssen? Und meine überflüssigen Sätze sind nicht einmal boshafter Natur. Ich kann einfach meinen Mund nicht halten.

Immerhin konnte ich bereits beobachten, dass meine Kommentare gezielter und auch gemeiner werden, wenn ich unzufrieden bin. Doch kann das Ventil der eigenen Unzulänglichkeit eine Zielscheibe auf den Köpfen anderer Leute sein? Ich hoffe nicht!

 

Obacht: Bei all den Vorhaben will ich nicht vergessen, was ich schon alles Tolles tue. Ich lese wieder mehr, trinke wenig Alkohol und schaffe es beinahe jeden Tag, mir selbst Essen zur Arbeit mitzubringen. Wenn das keine Gründe für ein zufriedenes Lächeln sind, weiß ich auch nicht.

Photo by Kerstin Wrba on Unsplash

Touristen Einwohner

Einwohner haben keinen Bock mehr auf Tourismus: Das kannst du tun

Mailand, Mallorca, Melbourne: Viele Einwohner beliebter Reiseziele fühlen sich von Touristen und Reisenden gestört. Die Städte und Kommunen unterstützen ihre Bewohner und machen Touristen den Urlaub schwerer. Was du als Reisender dafür tun kannst, das sich der Unmut gegenüber Urlaubern wieder legt:

Spiegel Online berichtete kürzlich über die bisher größte Demo gehen Massentourismus in Palma. Mehr als 3000 Bewohner Mallorcas ärgern sich über immer größere Scharen von Touristen, die sich schlecht benehmen und die Straßen verstopfen.

Auch Italien kämpft mit den Auswirkungen der vielen Besucher und greift zu Strafen und Verwahngeldern. Wie ntv berichtet, kostet künftig schon ein Picknick am berühmten Trevi-Brunnen bis zu 450 Euro. Noch schlimmer trifft es die Stadt Venedig, deren Fundament durch die Kreuzfahrtschiffe beschädigt wird (Augsburger Allgemeine) und massiv ins Bedrängnis gerät, die Stadt vor weiteren Schäden zu bewahren.

Australien gilt als beliebtestes Land für Work-and-Travel-Abenteuer, aber auch hier haben die Einwohner langsam genug von den vielen Rucksack-Touristen. Seit Anfang des Jahres müssen Reisende, die in Australien arbeiten, 15 Prozent Steuern auf ihre Einkünfte zahlen. Ab dem ersten verdienten Cent (ntv).

Backpacker sind nicht die besseren Touristen

Besonders Backpacker legen viel Wert auf die Unterscheidung zwischen Reisenden und „normalen Touristen„. Die Annahme, dass Backpacker, Traveler und Weltenbummler besser sind, ist aber schlicht falsch. Oft sind es die Rucksacktouristen, die lange in einem Ort bleiben und dadurch die Wohnungspreise in die Höhe treiben. Sie selbst profitieren von den günstigen Preisen in Chiang Mai oder Bali, geben aber nichts an die lokale Gemeinschaft zurück.

Das kannst du tun

Beim Reisen geht es um Respekt, Toleranz und Verständnis. Als Besucher kommst du in ein fremdes Land. Das heißt, du bist derjenige, der sich anpassen muss. Dabei ist es egal, ob du nach Indien oder Italien verreist. Jedes Land ist einzigartig und anders, wodurch du dich über jedes Land gesondert informieren musst. Auch wenn Mallorca scherzhaft als 17. Bundesland gilt, gilt die Anpassung auch für naheliegende Urlaubsziele.

EINS: Informiere dich über Sitten und Bräuche

In Thailand berührt man niemanden am Kopf, in Japan ist direkter Augenkontakt unangemessen, in Indonesien zieht man Schuhe und Socken aus, wenn man Häuser betritt.

Manche Dinge kennt man aus dem Gesellschaftsunterricht oder aus Filmen, andere sind ganz neu, wenn man in ein fremdes Land kommt. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, um sich vorab über andere Länder zu informieren. Eine tolle erste Möglichkeit sind die Grafiken von Wandershare.com.

ZWEI: Beschäftige dich mit Kultur und Geschichte

Kambodscha erholt sich noch heute von der Herrschaft der Khmer Rouge, die Iren mussten lange um ihre Unabhängigkeit von Großbritannien kämpfen. Die Vergangenheit prägt die Zukunft und erklärt die Gegenwart. Dass Phnom Penh aussieht, wie eine kommunistische Stadt der Vergangenheit, liegt daran, dass die Stadt unter der Führung von Pol Pot eine Geisterstadt war und die Bevölkerung aufs Land gezwungen wurde.

Um dich mit der Geschichte eines Landes oder einer Stadt auseinanderzusetzen, reicht meist ein Museumsbesuch. Die nationalen Museen sind oft kostenfrei oder gegen eine geringe Gebühr zu besichtigen. In vielen Städten gibt es auch Tagestouren, die dich an die bedeutenden Stätten der Vergangenheit bringen. Nutze diese Möglichkeit vor Ort, um zu verstehen warum ein Land so ist, wie es ist.

DREI: Die Nachfrage bestimmt das Angebot

Viele Attraktionen werden extra für Touristen angeboten. „Machen doch alle“ wirst du dir denken, „ist doch nicht so schlimm“. Das kann Elefantenreiten oder das Streicheln von Tigern sein. Ja, du bist im Urlaub und willst etwas erleben, aber muss es wirklich auf den Kosten von anderen Lebewesen geschehen?

Grundsätzlich gilt: Sei kritisch, wenn es um touristische Attraktionen geht. Gerade in Asien wird versucht aus allem Geld zu machen und schon mit deiner Aufmerksamkeit unterstützt du diese Praktiken.

VIER: Beobachte und adaptiere Verhalten

Als ich letztes Jahr im August nach Indonesien kam, war ich verunsichert. Schon das Straßenüberqueren ist komplett konträr zu Deutschland. Je tiefer ich in die indonesische Kultur eintauchte, desto mehr Verhaltensweisen entdeckte ich. Ich hab beobachtet, es nachgemacht, mich angepasst.

Bald habe ich mit den Fingern gegessen, auf der Straße meine Schultern und Knie bedeckt gehalten und beim Reden und Verstehen die gleichen Laute gemacht wie meine indonesischen Freunde. Dadurch wird das Erlebte nicht nur intensiver, sondern die Einwohner des Landes respektieren dich mehr und freuen sich, weil du dich anpasst.

FÜNF: Hinterlasse einen kleinen Footprint

Klimaneutrales Reisen klingt zu schön um wahr zu sein – und ist es auch. Das bedeutet aber nicht, dass man dieses Bestreben gleich vergessen sollte. Der ökologische Fußabdruck wird aus Ernährung, Wohnen, Mobilität und Konsum berechnet und zeigt auf, wie viele Ressourcen du verbrauchst und was du in der Welt zurücklässt.

Wenn ich im Ausland bin, esse ich für gewöhnlich deutlich mehr Fleisch als in Deutschland, weil ich die nationalen Gerichte probieren möchte. Außerdem fahre ich viel Bus und Bahn, weil ich schließlich einiges sehen möchte. In den Städten selbst, bewege ich mich jedoch zu Fuß.

Ich kaufe keinen touristischen Schnick-Schnack und achte auch darauf, dass meine Unterkunft weder ein dauerhafter AirBnB ist, noch ein maßloses Luxus-Hotel. Das sind alles Kleinigkeiten, die vor Ort einen großen Einfluss haben können. Genieße deine Reise, aber versuche dich nachhaltig zu verhalten. 

SECHS: Bedenke die Ressourcen

Wie Tourism Watch berichtet, führt der boomende Tourismus auf Bali zu einer bedrohlichen Wasserknappheit. 65 Prozent des verfügbaren Wassers auf der indonesischen Insel wird für touristische Zwecke verbraucht – zu Lasten der Landwirtschaft.

Palms are friends

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Auch am Mittelmeer gibt es Probleme, das Süßwasser wird knapp. Auch hier ist der unkontrollierte Tourismus Schuld.  Unter den gefährdeten Regionen befinden sich die marokkanische Mittelmeerküste, die Balearen, Sardinien und Korsika (WWF).

Eine nachhaltige und bewusste Urlaubsplanung erfordert es, sich mit Ressourcenknappheit auseinanderzusetzen. Wobei hier auch die Gesetzgebung, sowie die Tourismusbranche gefragt ist, mehr zu informieren und die entsprechenden Gebiete besser zu schützen. Du selbst kannst dich einfach im Vorfeld informieren und so entsprechende Ziele vermeiden.

SIEBEN: Schaue dir die Tourismus-Zahlen an

Die Anzahl der Touristen hängt mit dem Bestand der Ressourcen zusammen, ist aber nicht die einzige Auswirkung von Massentourismus. Und eigentlich träumen wir doch alle von menschenleeren Stränden und ein bisschen Wildnis.

Wir legen unser Badetuch zwischen hundert andere, die aussehen wie unseres. Dabei ertragen wir diese Massen kaum.

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Opodo gibt an, dass 2016 Spanien, die Türkei und Griechenland besonders beliebt bei Urlaubern waren. Anstatt wie Tausende andere dorthin zu fahren, kannst du dich nach anderen Reisezielen umschauen, die nicht so überlaufen sind. Andere Reiseländer sind oft leerer, günstiger und tun viel für den Tourismus vor Ort.

ACHT: Zahle faire Preise

Urlaub zum Schnäppchenpreis – Portale wie Urlaubspiraten und Urlaubsguru machen es möglich. Also quetschen wir uns mit 150 anderen Schnäppchenjägern in ein kleines Flugzeug ohne Beinfreiheit, halten eine 10-Stunden Zwischenlandung aus, um dann in einem Pauschalhotel einzukehren.

Ich freue mich auch über einen Schnapper und wenn ich Flüge und Unterkünfte buche, vergleiche ich selbstverständlich auch. Aber knauserig sollte man nicht sein. Wenn du dir leisten kannst, Emirates 600 Euro für einen Flug nach Indonesien zu bezahlen, solltest du auch im Land selbst ein bisschen Geld lassen und die lokale Wirtschaft unterstützen.

Für den Eintritt im Borubudur-Tempel in Yogyakarta zahlen IndonesierInnen 30.000 Rupiah, Touristen zahlen 260.000 Rupiah (15 Euro). Das ist ein deftiger Preisunterschied. Dafür besucht man aber einen der schönsten Tempel der Welt und unterstützt ein Schwellenland, das Unterstützung wirklich nötig hat.

Wenn wir verreisen profitieren wir oft von der prekären wirtschaftlichen und politischen Lage des Landes. Ob Griechenland, Türkei oder eben Indonesien. Deswegen solltest du im Ausland nicht um jeden Euro feilschen, sondern auch den Leuten vor Ort etwas gönnen.

NEUN: Mache keine unnötigen Reisen

Für mich die vielleicht wichtigste Regel, wenn es ums Reisen geht: Reise nur an Ort, die dich wirklich interessieren. Zum Shoppen nach London, zum Kiffen nach Amsterdam und Party machen in Thailand gehört für manche Leute vielleicht auf die Bucket List – einmal reicht dann aber auch. Ebenso bescheuert ist es, nur für einen weiteren Stempel im Reisepass ein Land „mitzunehmen“. Such dir deine Reiseziele bewusst aus, dann kann nicht viel schief gehen 🙂

Hasdrubal Tunesien

Verscherbel mir die Welt: Warum Urlaubsguru und Co dem Reisen schaden

Websites wie Urlaubsguru, Urlaubspriraten und Co locken mit Schleuderpreisen. Für wenig Geld geht es nach Spanien, Bali oder New York. Dabei werden Sehnsüchte geweckt, die wir gar nicht haben.

Reisen ist ein Privileg

Reisen ist ein teurer Spaß. Auch wenn Südostasien und Südamerika durch günstige Preise auf schmale Budgets passen, bleibt Reisen ein Privileg. Zeit, Geld und Energie müssen zusammenspielen, damit die Reiselust auch ausgelebt werden kann. Hier setzen Schnäppchenportale für Reisen an. 3 Tage Rom gibt es für 112 Euro, fünf Tage im Luxus auf Kos für 584 Euro.

Die Welt sehen zu können ist großartig. Es schärft die Sinne, festigt die Persönlichkeit und macht dich vor allem offener für andere Kulturen. Gleichzeitig schaden die durch Reisen verursachten Emissionen dem Klima. Hotels und Resorte treiben Preise in die Höhe und vertreiben die Einheimischen aus der jeweiligen Region. Deswegen solltest du bewusst reisen und es nicht nur als Mission Passport verstehen.

Still can’t get over the color of the water 😍

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Schnäppchenseiten schaffen Sehnsüchte

Die Suche nach günstigen Reise ist verständlich. Urlaub sollte schließlich keine Frage des Einkommens sein, sondern steht allen Menschen zu. Allerdings bieten gerade die Schnäppchenseiten selten das Angebot zu den Konditionen, die wir uns eigentlich erträumt haben. Aus Backpacking in Kambodscha wird so All-Inclusive in Thailand, die Erkundung von Malta zum Strandurlaub in Spanien.

Wir erfüllen also gar nicht unsere wahren Reisewünsche und treten zu spannenden Individualreisen an, sondern pressen uns in ein vorgefertigtes Reise-Korsett. Klar, das Angebot kann genau deinen Wünschen entsprechen und auf dich abgestimmt sein. Oftmals geht es aber eben doch nur um Strand und Sonne; und das möglichst günstig.

Reisen wird so zur Trash-Ware am Fließband, anstatt zum außergewöhnlichen Erlebnis. Das Privileg wird zum normalen Wochenendprogramm. Wenn alles günstig und schnell zu haben ist, konzentrieren wir uns nicht mehr auf einzelne Erlebnisse und schätzen das Reisen nicht mehr. Je geht nur noch um mehr. Mehr Meer, mehr Stempel im Pass, mehr Selfies vor Sehenswürdigkeiten.

Nachhaltigkeit: Fehlanzeige

Flugreisen sind generell nicht nachhaltig. Die günstigen Preisen kommen auf Urlaubspiraten und co oft zustande, in dem Gabelflüge und Stop-Over Flüge angeboten werden. Anstatt des direkten und schnellsten Weges gibt es also oft mehrere Zwischenstops. Da bei Gabelflügen die Startflughafen ein anderer als der Zielflughafen ist, kommt zudem noch mindestens eine längere Fahrt mit Bus oder Bahn hinzu.

Tourismus, egal, wie nachhaltig man sich verhält, ist ein ökologisches Problem. Reisende steigern Müll, das Verkehrsaufkommen und verdrängen durch Hotelanlagen, Clubs u.ä. die Einheimischen aus den Orten. Daher sollte man diese Gleichung, die zu Lasten der Umwelt fällt, zumindest moralisch ausgleichen. Zum Beispiel, in dem nur an Orte reist, die dich interessieren. Und indem du den Urlaub in dem Land nutzt, um deinen Horizont zu erweitern. Damit löst du nicht das Klimaproblem, aber die Reise hatte zumindest einen ideellen Wert.

Bekommt das Reisen bald Image-Probleme?

Die Tourismusbranche ist eine der größten der Welt. Und auch in meinem Freundeskreis wird die Reiselust immer größer, Backpacking wird beinahe normal. Leider bleibt die ethische und ökologische Verantwortung dabei schnell auf der Strecke.

Wir müssen dringend bewusster und überlegter reisen. Mehr unsere nahe Umgebung entdecken als in die Ferne zu fliegen. Uns vor Ort besser und respektvoller verhalten, sowie Reiseveranstalter, Hotels und Co kritischer auswählen.

Reisen ist einfach und sogar erschwinglich, wenn man es geschickt anstellt. Doch die wahren Kosten sollte nicht unsere Welt tragen.

 

Wanderlust: Frei und unabhängig; aber nicht allein

Freiheit und Unabhängigkeit. Danach streben wir doch alle. Leider hab ich viel zu lange gedacht, so richtig frei und unabhängig könnte ich nur alleine sein.

Wer frei sein will, muss auch damit klar kommen allein zu sein„. Diesen Satz habe ich vor Jahren mal auf Twitter gelesen. Und er ist hängen geblieben, weil ich dachte, dass er wahr ist.

Machen, was man will. Entscheidungen treffen und nur sich selbst fragen. Einfach reisen und umziehen und sich ein Tattoo stechen. Kleine, wie große Dinge, die man einfach tun kann ohne jemand anderen Rechenschaft zu schulden.

Ich glaube nicht an Freiheit als Tatsache. Freiheit ist ein Gefühl. Unabhängigkeit auch. Es geht nicht darum, wie frei von Konventionen man wirklich ist. Wie unabhängig von Familie, Job und Staat. Sondern darum, dass man sich so fühlt. Das Mindset muss stimmen.

Freiheit fühlen, Gemeinschaft wertschätzen

Wie ein wandelndes Klischee, habe ich mich auf meiner Südostasien-Reise das erste Mal so richtig frei gefühlt. Mit dem Scooter alleine durch Ubud fahren, allein an einem Flughafen ankommen ohne das mich jemand abholt. Morgens aufstehen und gehen wohin der Wind mich trägt. Ohne Kompromiss.

Andererseits habe ich während meines Auslandssemesters in Indonesien auch Gemeinschaft und Gruppenzugehörigkeit so richtig zu schätzen gelernt. In einem fremden Land hab ich tolle Freunde und Bekannte gefunden, die mein Leben wirklich bereichert haben.

Und zwischen diesen beiden Welten habe ich verstanden, was Unabhängigkeit und Freiheit wirklich bedeuten. Ich kann mein eigenes Leben leben. Sachen allein wuppen, mein Ding machen. Und trotzdem wunderbare Menschen um mich herum haben.

Unabhängig zu sein, bedeutet auch andere einfach machen zu lassen. Selbstbewusste Entscheidungen treffen und auch anderen in ihr Leben nicht reinreden. Und wenn sich dann die Wege kreuzen, trotz der hunderten Möglichkeiten, die man hat, ist das doch der schönste Umstand der Welt. Eine Gruppe von Menschen, die sich gefunden hat, weil jeder einzelne gerne dort ist. Gemeinsam einen Moment genießen und die absolute Freiheit spüren.

Du bist nicht frei, du bist egoistisch!

Ich glaube, dass wie Unabhängigkeit zu oft mit Egoismus verwechseln. Immer darauf bestehen, sein eigenes Ding zu machen, ist vor allem egozentrisch. Keine Verpflichtungen eingehen zu wollen, zeigt meistens nur, dass wir uns dazu nicht bereit fühlen. Dass wir selbst als Mensch und Individuum noch nicht gefestigt sind.

Du kannst frei und unabhängig sein und trotzdem einen festen Freundeskreis haben oder in einer erfüllenden Partnerschaft leben. Sich frei zu fühlen heißt letztendlich mit sich selbst zufrieden zu sein. Nicht mehr das Gefühl von Rechtfertigung verspüren. Und keine selbstbezogenen Erwartungen mehr an andere zu stellen.