Mailand, Mallorca, Melbourne: Viele Einwohner beliebter Reiseziele fühlen sich von Touristen und Reisenden gestört. Die Städte und Kommunen unterstützen ihre Bewohner und machen Touristen den Urlaub schwerer. Was du als Reisender dafür tun kannst, das sich der Unmut gegenüber Urlaubern wieder legt:

Spiegel Online berichtete kürzlich über die bisher größte Demo gehen Massentourismus in Palma. Mehr als 3000 Bewohner Mallorcas ärgern sich über immer größere Scharen von Touristen, die sich schlecht benehmen und die Straßen verstopfen.

Auch Italien kämpft mit den Auswirkungen der vielen Besucher und greift zu Strafen und Verwahngeldern. Wie ntv berichtet, kostet künftig schon ein Picknick am berühmten Trevi-Brunnen bis zu 450 Euro. Noch schlimmer trifft es die Stadt Venedig, deren Fundament durch die Kreuzfahrtschiffe beschädigt wird (Augsburger Allgemeine) und massiv ins Bedrängnis gerät, die Stadt vor weiteren Schäden zu bewahren.

Australien gilt als beliebtestes Land für Work-and-Travel-Abenteuer, aber auch hier haben die Einwohner langsam genug von den vielen Rucksack-Touristen. Seit Anfang des Jahres müssen Reisende, die in Australien arbeiten, 15 Prozent Steuern auf ihre Einkünfte zahlen. Ab dem ersten verdienten Cent (ntv).

Backpacker sind nicht die besseren Touristen

Besonders Backpacker legen viel Wert auf die Unterscheidung zwischen Reisenden und „normalen Touristen„. Die Annahme, dass Backpacker, Traveler und Weltenbummler besser sind, ist aber schlicht falsch. Oft sind es die Rucksacktouristen, die lange in einem Ort bleiben und dadurch die Wohnungspreise in die Höhe treiben. Sie selbst profitieren von den günstigen Preisen in Chiang Mai oder Bali, geben aber nichts an die lokale Gemeinschaft zurück.

Das kannst du tun

Beim Reisen geht es um Respekt, Toleranz und Verständnis. Als Besucher kommst du in ein fremdes Land. Das heißt, du bist derjenige, der sich anpassen muss. Dabei ist es egal, ob du nach Indien oder Italien verreist. Jedes Land ist einzigartig und anders, wodurch du dich über jedes Land gesondert informieren musst. Auch wenn Mallorca scherzhaft als 17. Bundesland gilt, gilt die Anpassung auch für naheliegende Urlaubsziele.

EINS: Informiere dich über Sitten und Bräuche

In Thailand berührt man niemanden am Kopf, in Japan ist direkter Augenkontakt unangemessen, in Indonesien zieht man Schuhe und Socken aus, wenn man Häuser betritt.

Manche Dinge kennt man aus dem Gesellschaftsunterricht oder aus Filmen, andere sind ganz neu, wenn man in ein fremdes Land kommt. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, um sich vorab über andere Länder zu informieren. Eine tolle erste Möglichkeit sind die Grafiken von Wandershare.com.

ZWEI: Beschäftige dich mit Kultur und Geschichte

Kambodscha erholt sich noch heute von der Herrschaft der Khmer Rouge, die Iren mussten lange um ihre Unabhängigkeit von Großbritannien kämpfen. Die Vergangenheit prägt die Zukunft und erklärt die Gegenwart. Dass Phnom Penh aussieht, wie eine kommunistische Stadt der Vergangenheit, liegt daran, dass die Stadt unter der Führung von Pol Pot eine Geisterstadt war und die Bevölkerung aufs Land gezwungen wurde.

Um dich mit der Geschichte eines Landes oder einer Stadt auseinanderzusetzen, reicht meist ein Museumsbesuch. Die nationalen Museen sind oft kostenfrei oder gegen eine geringe Gebühr zu besichtigen. In vielen Städten gibt es auch Tagestouren, die dich an die bedeutenden Stätten der Vergangenheit bringen. Nutze diese Möglichkeit vor Ort, um zu verstehen warum ein Land so ist, wie es ist.

DREI: Die Nachfrage bestimmt das Angebot

Viele Attraktionen werden extra für Touristen angeboten. „Machen doch alle“ wirst du dir denken, „ist doch nicht so schlimm“. Das kann Elefantenreiten oder das Streicheln von Tigern sein. Ja, du bist im Urlaub und willst etwas erleben, aber muss es wirklich auf den Kosten von anderen Lebewesen geschehen?

Grundsätzlich gilt: Sei kritisch, wenn es um touristische Attraktionen geht. Gerade in Asien wird versucht aus allem Geld zu machen und schon mit deiner Aufmerksamkeit unterstützt du diese Praktiken.

VIER: Beobachte und adaptiere Verhalten

Als ich letztes Jahr im August nach Indonesien kam, war ich verunsichert. Schon das Straßenüberqueren ist komplett konträr zu Deutschland. Je tiefer ich in die indonesische Kultur eintauchte, desto mehr Verhaltensweisen entdeckte ich. Ich hab beobachtet, es nachgemacht, mich angepasst.

Bald habe ich mit den Fingern gegessen, auf der Straße meine Schultern und Knie bedeckt gehalten und beim Reden und Verstehen die gleichen Laute gemacht wie meine indonesischen Freunde. Dadurch wird das Erlebte nicht nur intensiver, sondern die Einwohner des Landes respektieren dich mehr und freuen sich, weil du dich anpasst.

FÜNF: Hinterlasse einen kleinen Footprint

Klimaneutrales Reisen klingt zu schön um wahr zu sein – und ist es auch. Das bedeutet aber nicht, dass man dieses Bestreben gleich vergessen sollte. Der ökologische Fußabdruck wird aus Ernährung, Wohnen, Mobilität und Konsum berechnet und zeigt auf, wie viele Ressourcen du verbrauchst und was du in der Welt zurücklässt.

Wenn ich im Ausland bin, esse ich für gewöhnlich deutlich mehr Fleisch als in Deutschland, weil ich die nationalen Gerichte probieren möchte. Außerdem fahre ich viel Bus und Bahn, weil ich schließlich einiges sehen möchte. In den Städten selbst, bewege ich mich jedoch zu Fuß.

Ich kaufe keinen touristischen Schnick-Schnack und achte auch darauf, dass meine Unterkunft weder ein dauerhafter AirBnB ist, noch ein maßloses Luxus-Hotel. Das sind alles Kleinigkeiten, die vor Ort einen großen Einfluss haben können. Genieße deine Reise, aber versuche dich nachhaltig zu verhalten. 

SECHS: Bedenke die Ressourcen

Wie Tourism Watch berichtet, führt der boomende Tourismus auf Bali zu einer bedrohlichen Wasserknappheit. 65 Prozent des verfügbaren Wassers auf der indonesischen Insel wird für touristische Zwecke verbraucht – zu Lasten der Landwirtschaft.

Palms are friends

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Auch am Mittelmeer gibt es Probleme, das Süßwasser wird knapp. Auch hier ist der unkontrollierte Tourismus Schuld.  Unter den gefährdeten Regionen befinden sich die marokkanische Mittelmeerküste, die Balearen, Sardinien und Korsika (WWF).

Eine nachhaltige und bewusste Urlaubsplanung erfordert es, sich mit Ressourcenknappheit auseinanderzusetzen. Wobei hier auch die Gesetzgebung, sowie die Tourismusbranche gefragt ist, mehr zu informieren und die entsprechenden Gebiete besser zu schützen. Du selbst kannst dich einfach im Vorfeld informieren und so entsprechende Ziele vermeiden.

SIEBEN: Schaue dir die Tourismus-Zahlen an

Die Anzahl der Touristen hängt mit dem Bestand der Ressourcen zusammen, ist aber nicht die einzige Auswirkung von Massentourismus. Und eigentlich träumen wir doch alle von menschenleeren Stränden und ein bisschen Wildnis.

Wir legen unser Badetuch zwischen hundert andere, die aussehen wie unseres. Dabei ertragen wir diese Massen kaum.

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Opodo gibt an, dass 2016 Spanien, die Türkei und Griechenland besonders beliebt bei Urlaubern waren. Anstatt wie Tausende andere dorthin zu fahren, kannst du dich nach anderen Reisezielen umschauen, die nicht so überlaufen sind. Andere Reiseländer sind oft leerer, günstiger und tun viel für den Tourismus vor Ort.

ACHT: Zahle faire Preise

Urlaub zum Schnäppchenpreis – Portale wie Urlaubspiraten und Urlaubsguru machen es möglich. Also quetschen wir uns mit 150 anderen Schnäppchenjägern in ein kleines Flugzeug ohne Beinfreiheit, halten eine 10-Stunden Zwischenlandung aus, um dann in einem Pauschalhotel einzukehren.

Ich freue mich auch über einen Schnapper und wenn ich Flüge und Unterkünfte buche, vergleiche ich selbstverständlich auch. Aber knauserig sollte man nicht sein. Wenn du dir leisten kannst, Emirates 600 Euro für einen Flug nach Indonesien zu bezahlen, solltest du auch im Land selbst ein bisschen Geld lassen und die lokale Wirtschaft unterstützen.

Für den Eintritt im Borubudur-Tempel in Yogyakarta zahlen IndonesierInnen 30.000 Rupiah, Touristen zahlen 260.000 Rupiah (15 Euro). Das ist ein deftiger Preisunterschied. Dafür besucht man aber einen der schönsten Tempel der Welt und unterstützt ein Schwellenland, das Unterstützung wirklich nötig hat.

Wenn wir verreisen profitieren wir oft von der prekären wirtschaftlichen und politischen Lage des Landes. Ob Griechenland, Türkei oder eben Indonesien. Deswegen solltest du im Ausland nicht um jeden Euro feilschen, sondern auch den Leuten vor Ort etwas gönnen.

NEUN: Mache keine unnötigen Reisen

Für mich die vielleicht wichtigste Regel, wenn es ums Reisen geht: Reise nur an Ort, die dich wirklich interessieren. Zum Shoppen nach London, zum Kiffen nach Amsterdam und Party machen in Thailand gehört für manche Leute vielleicht auf die Bucket List – einmal reicht dann aber auch. Ebenso bescheuert ist es, nur für einen weiteren Stempel im Reisepass ein Land „mitzunehmen“. Such dir deine Reiseziele bewusst aus, dann kann nicht viel schief gehen 🙂

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