Fuller House: Fremdscham und Nostalgie

Fuller House Netflix Original

„Fuller House“ ist seit einigen Wochen auf Netflix verfügbar. Oft ist die Serie ganz schön drüber, in vielen Momenten aber auch einfach schön und witzig. Meine Kritik:

Der Hype um „Fuller House“ hielt in Deutschland nicht lange an. Und ehrlich gesagt, kann die Serie weder mit sonstigen Netflix-Krachern, noch mit anderen typischen Sitcoms mithalten. Die 13 Folgen der Netflix Original Serie haben mir trotzdem einige schöne Momente beschert.

Die Story

Fuller House Netflix Original
Quelle: Netflix

„Fuller House“ holt dich genau dort ab, wo „Full House“ endete, nur 20 Jahre später. Die Tanner-Mädchen sind längst erwachsen. DJ ist Mutter von drei Jungen, Stephanie tourt erfolgreich als DJ um die Welt und Michelle baut ihr Modeimperium auf.

Auch Joey, Onkel Jesse und die anderen, damaligen Erwachsenen tauchen in der ersten Folge auf. Beruflich geht es für sie nach L.A. und Las Vegas, wodurch die Mädels allein zurückbleiben. Das trifft vor allem DJ schwer. Da ihr Mann bei einem Feuerwehreinsatz ums Leben gekommen ist, erwartet sie nun das Schicksal einer alleinerziehenden Mutter. Aus Mitgefühl entscheiden sich schließlich Stephanie und Kimmy Gibbler ins Tanner-Haus einzuziehen um DJ zu unterstützen.

Beziehungen und andere Probleme

Von da an geht es in den Folgen um Beziehungen, Dating, die Jugend und allerlei Probleme und Sorgen einer Patchwork-Familie. Natürlich immer mit Humor und einer ordentlichen Portion Moral am Ende.

Trotz Veränderung bzw. Alterung des Casts sind die Geschichten also sehr nah an „Full House“. Meiner Meinung nach etwas zu nah. Die bunte Patchwork-Familie passt natürlich zum Hause Tanner, hätte aber moderner sein können. Anstatt des drastischen Todes von DJs Ehemann hätte eine „einfache“ Trennung deutlich mehr Dynamik und Abwechslung in die Serie bringen können. Und hätte gleichzeitig die Realität vieler Haushalte widergespiegelt. Stattdessen werden alte „Full House“-Geschichten wieder aufgebrüht. Die Anlehnung an alte Folgen birgt schön Erinnerung, für die zweite Staffel wünsche ich mir aber mehr Eigenständigkeit.

Der Cast

Full House from abc
Quelle: abc

Außer den Olsen-Zwillingen sind alle Schauspieler wieder mit dabei. Plus die neuen Kinder. DJ hat mit Jackson, Max und Tommy drei Jungen, die im selben Alter sind, wie in der ersten „Full House“-Staffel DJ und ihre Schwestern. Gerade das mittlere Kind Max bietet durch seine witzige und etwas altkluge Art viel Potential. Baby Tommy und Jackson blieben bisher etwas farblos.

Auch Kimmy bringt mit ihrer Tochter Ramona ein neues Gesicht mit in die Serie. Ramona ist 13 und tritt am Anfang zickig und unwillig auf. Im Verlauf der ersten Staffel verliert sich das etwas, einen bleibenden Eindruck hinterlässt sie sonst nicht. Ebenfalls neu ist DJs Kollege Matt, der ihr schon bald den Kopf verdreht. Matt fand ich durchweg sehr sympathisch und auf seine Entwicklung freue ich mich am meisten.

Im Zentrum stehen DJ, Stephanie und Kimmy. Während Kimmy etwas zu überzeichnet und nervig ist, machen die anderen beiden viel Spaß. Stephanie als etwas unbeholfene Tante bringt viel Lockerheit in die Familie Tanner. Da sie weder beruflich noch beziehungstechnisch auf einen grünen Zweig kommt, dürfen wir in Zukunft viele witzige Situation erwarten.

DJ hingegen sorgt für Ruhe und Ordnung. Durch ihre Figur könnten in der zweiten Staffel längerfristige Storylines ermöglicht werden. Als Mutter und Herrin des Hauses sind außerdem viele Parallelen zu ihrem Vater erkennbar.

Die Episoden

Die Serie hat mir je nach Episode mal sehr viel Spaß gemacht – oder für Kopfschütteln gesorgt. Wer „Fuller House“ anklickt, erwartet natürlich keine tiefgründige Unterhaltung. Oftmals arten die Folgen allerdings in Tanzen oder unsinnigen Erlebnissen aus. Vieles wirkt etwas drüber und zu sehr gewollt.

Die Machart wirkt oft veraltet. Alles im Hause Tanner wirkt perfekt, nur oberflächlich tauchen ab und an Risse auf. Jegliche Geschichten gehen immer gut für die Tanners aus. Das mag natürlich zu „Fuller House“ gehören, wirkt aber unauthentisch in Hinblick zu Serie wie „How I Met Your Mother“ oder „Modern Family“.

Der Handlung fehlt zwar jegliche Tiefe, trotz dessen macht die Serie Spaß. Schon der guten alten Zeit wegen. Viele Situation sind einfach witzig oder schön, weil die Familie am Ende immer zusammenhält. Gerade durch die Vielfalt der Charakter gibt es oft überraschende Situationen, aber auch wiederkehrende Elemente, die ihren Charme entfalten.

Mein Ausblick

Auch wenn die erste Staffel mich mit gemischten Gefühlen zurücklässt, werde ich in die zweite mit Sicherheit reinsehen. Die erste Staffel wurde vor allem benutzt, um die neue Charakter vorzustellen, von der zweiten erwarte ich also etwas mehr Handlung und Entwicklung. Eine besondere Dynamik erhält die Serie natürlich dadurch, dass die Kinder kontinuierlich älter werden und die Storyline sich so natürlich weiterentwickeln kann.

Die erste Staffel endet übrigens bewusst sehr offen. Auf kritische Stimmen zur ersten Staffel können Produzenten und Drehbuchautoren also gut reagieren. Ich freue mich auf jeden Fall auf weitere Folgen!

Alle 13 Episoden der ersten Staffel „Fuller House“ sind exklusiv auf Netflix verfügbar.

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