Lessons learnt: Ein halbes Jahr Home Office

Lessons Learned Homeoffice Freiberufler

Im Home Office zu arbeiten war für mich lange ein Traum. Mittlerweile ist er seit einem halben Jahr Wirklichkeit und hat ein bisschen Glanz eingebüßt.

Freiberuflich arbeiten wird stark idealisiert. Es klingt nach Lust und Laune, Laptop im Bett und coole Projekte. Natürlich ist es in Wahrheit anders. Die freie Zeiteinteilung, die entspannte Atmosphäre deines Zuhauses und morgens kein U-Bahn-Gequetsche sind klare Vorteile. In der Vorstellung schaut also alles super aus, nichtsdestotrotz musste ich mir in den vergangen Monaten einige Eingeständnisse machen.

Lessons Learned Home office Freiberufler

1. Du arbeitest mehr

Selbst wenn du eine hohe Arbeitsmoral hast, beinhaltet ein Tag im Büro eben auch: Kaffee/Tee/Wasser holen, ein kleines Schwätzchen mit Kollegen, Make-Up und Frisuren Check auf der Toilette. In acht Stunden im Büro arbeitest du effektiv wahrscheinlich sechs. Höchstens.
Zuhause kochst du zwar ebenso Kaffee oder telefonierst mit einer Freundin, diese Zeit kannst du dem Kunden aber nicht abrechnen. Und während ich arbeite, vermeide ich auch bewusst Dinge, die mich stören könnten. Wenn ich an einem Artikel arbeite, liegt das Smartphone gerne eins, zwei Stunden umgedreht und lautlos auf dem Tisch. Meinen Kaffee habe ich vor Beginn gemacht und eingehende Nachrichten beantworte ich erst, wenn mein Timer wieder aus ist.

In acht Stunden so viel schaffen, wie sonst an zwei Tagen im Büro ist natürlich großartig. Aber Arbeit ohne diese kleinen Pausen ist auch anstrengender. Und fühlt sich mehr nach Arbeit an. Außerdem sollte man beachten, das einen in der Regel niemand für die Schnelligkeit bezahlt.

2. Du hast keinen festgelegten Alltag mehr

Der „Alltag“ hat ein sagenhaft schlechtes Image. Dabei bietet er dir Halt und Orientierung. Na klar, es ist wunderbar, wenn du um 10 aufstehen kannst und dich um 14 Uhr erst einmal gemütlich zum Mittagessen triffst.

Der Nachteil: Niemand gibt dir Routine. Du bist also selbst dafür verantwortlich, deinen Alltag sinnvoll zu strukturieren. Das ist gar nicht so einfach. Denn du musst nicht nur die anfallenden Arbeit erledigen, sondern auch die Wohnung putzen, Essen kochen und eine Stunde am Tag Bewegung sollte ja auch noch drin sein.

Und am Anfang ist es ziemlich doof, Verabredungen am Abends ausschlagen zu müssen, weil noch ein Haufen Arbeit auf deinem Schreibtisch liegt.

3. Fehlende Trennung zwischen Arbeit und Privatleben

Seitdem ich im Home Office arbeite, arbeite ich gerne ein paar Sachen im Bett ab – oft noch vor dem Frühstück. Ich liebe die frühen Morgenstunde dafür, dass sie so ruhig sind. An anderen Tagen arbeite ich gerne abends oder nachts, um überschüssige Energie loszuwerden.

Als Freiberufler hast du bei vielen Jobs keine festen Arbeitszeiten. Das hat viele Vorteile und bedeutet eben den Wegfall des Alltags. Es bedeutet aber auch, dass kein Arbeitsweg dich von deiner Arbeit trennt. Und dass du deinen Laptop, dein Smartphone und sonstige Geräte für zwei, teils konkurrierende, Zwecke nutzt.

Mit der Arbeit ins Bett zu gehen, neben ihr aufzuwachen und zu frühstücken kann eine wunderbar entspannte Beziehung sein. Sie kann einen aber auch unter Druck setzen und endlos stressen. Sich selbst einen Feierabend zu setzen und sich auch mal ein freies Wochenende zu schaffen empfinde ich daher als sehr wichtig.

4. Den Job in der Tasche

Bisher habe ich keinen Freiberufler kennengelernt, der seine beruflichen Mails und Telefonate nicht auf das private Handy bekommen hat. Das Lesen von Slack-Nachrichten im Bus oder abends in einer Bar ist also keine Seltenheit.

Egal, wo ich bin: Auf meinem Smartphone trudeln munter Arbeitsmails ein. Mein Abeitskollege schreibt mir bei Slack – selbst, wenn ich entschieden habe, heute erst später zu arbeiten. Oder mein selbst festgelegtes Soll bereits erledigt habe.

Wer sich entscheidet, freiberuflich und/oder im Home Office zu arbeiten, muss sich bewusst sein, dass er nicht nur die Grenze zwischen beruflich und privat selbst setzen muss. Er muss auch die Ruhe finden, diese Grenzen auszuhalten. Sich nicht stressen lassen. Und das Selbstverständnis entwickeln, dass man als Freiberuflerin nicht 24h erreichbar sein muss.

5. Kein Bürofeeling

Als ich noch im Büro gearbeitet habe, hab ich die Stimmung im Büro immer sehr genossen. Zusammen mit anderen an Projekten und der ganzen Marke arbeiten macht unheimlich Spaß, wenn alle mit Leidenschaft dabei sind. Die Arbeit in einem motivierten, progressiven Team motiviert mich selbst unheimlich.

Nicht zu vergessen, die kleinen Gespräche mit Kollegen. Die Running-Gags im Büro, das gemeinsame Essen und sie spannenden Gäste und Besucher, die ab und an vorbei schauten.

Im Home Office bin ich allein. Ich muss mich selbst motivieren und bespaßen. Dadurch bin ich zwar konzentrierter, das besondere Bürofeeling vermisse ich trotzdem manchmal. Ich glaube, wer im Home Office arbeitet, muss sich selbst gern mögen, damit er sich überhaupt den ganzen Tag aushält. Außerdem darf dein Job für dich nicht nur Mittel zum Zweck sein.

Home Office Lessons Learnt

Die Vorteile des Homeoffices liegen eigentlich auf der Hand. Unter Freiheit, Selbstständigkeit und Unabhängigkeit lassen sich wohl die meisten zusammenfassen. Wer überlegt, freiberuflich und/oder im Homeoffice zu arbeiten, sollte sich mit den Nachteilen jedoch auch intensiv beschäftigen.

Ich kenne viele Leute, die für sich selbst gemerkt haben, dass sie lieber festangestellt im Büro arbeiten. Am Ende ist es eben eine Typfrage.

Was meinst Du, was sind für Dich die wichtigen Vor- und Nachteile des Homeoffices? Oder liebst du deinen Bürojob aus bestimmten Gründen?

Kommentare

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  2. Liz

    Schöner Artikel, du fasst wirklich die wichtigsten Punkte zusammen! 🙂

    Mein größtes Problem ist wahrscheinlich, dass ich Arbeit und Privatleben nur schwer trennen kann. Zum Beispiel hat mir ein Kunde am Wochenende recht spät abends geschrieben und obwohl ich sogar mit Freunden unterwegs war, habe ich seine Nachrichten noch beantwortet… Danach habe ich mich natürlich darüber geärgert, aber man gerät schnell in diese Falle, weil man sich denkt „ach, das dauert doch nur eine Minute“.

    Ich hoffe aber, dass sich bei dir nach einem halben Jahr alles einigermaßen eingependelt hat und du immer noch zufrieden bist? 🙂

    1. Autor
      des Beitrages
      Jana

      Oh ja, solche Situationen kenne ich nur zu gut. Ich versuche mir das aber mehr und mehr abzutrainieren und das klappt glücklicherweise ganz gut momentan 🙂

  3. Pingback: Lessons learnt: Meine Erfahrungen als FreiberuflerIn - Teil 2 - worteplustaten

  4. Tina Carrot

    Auch diese Punkte spiegeln meine Meinung total wider – wirklich gut geschrieben!

    Ich finde, dass beides seine Vor- und Nachteile hat, ich glaube jedoch, dass ich es angestellt ein wenig besser finde als freiberuflich, da man als Angestellte in einer sichereren Position ist.

    Ganz liebe Grüße,
    Tina

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