Meinung: Der WDR traut sich was

#Freiheit, Sami Slimani und Lets Plays. Youtuber zeigen sich vielsetig – mit Erfolg. Gerade bei Jugendlichen und junge Erwachsenen sind die Videos rund um News, Tutorials und Trivia beliebt. Nun will auch der WDR ein Stück vom Kuchen.

„Kennen Sie Youtube?“, fragt Jörg Schöneborn, Fernsehdirektor des Westdeutschen Rundfunks einen jungen Mitarbeiter. Die Antwort lautet selbstverständlich „Ja“. Und würde sich der WDR in weiteren Teilen Deutschlands umhören würden sie wohl kaum jemanden zwischen 12 und 30 treffen, der noch nie etwas von Googles Tochter gehört hat.

Seit gestern gehört auch der WDR zu dem großen Pool deutscher Youtuber. Mit einem selbstironischen Trailer haben sie bereits am Sonntag visuell ihren Einstand verkündet. Vorgestellt wurden dabei nicht nur die drei jungen Moderatoren, die künftig das Gesicht des Formats #3sechzich sein werden. Auch die Leitwerte wurden vorgestellt. „Unabhängig, meinungsfreudig, relevant“ möchten sie sein.

Auf dem Kanal soll es fast täglich aktuelle Beiträge und Nachrichten geben. Die erste Sendung beschäftigte sich gestern mit dem allgegenwärtigen Thema Pegida. Die Absage der Demo in Dresden und die Pressekonferenz waren Gesprächsstoff für Moderatorin M3lly, die allerdings nicht als neutrale, apolitische Journalisten auftrat, sondern den Nachrichten durchaus etwas Spott mitgab. Die Ausschnitte von außerhalb werden so gewählt, dass sie der Meinung des #3sechzich-Teams untermauern. Man fühlt sich ein bisschen an Stefan Raab erinnert, der ebenfalls nur die Szenen zeigt, die die Protagonisten in ein unangenehmes Licht rücken.

Die Darstellung wirkt insgesamt ungezwungener als man es von öffentlich-rechtlichen Programmen gewohnt ist. Die Moderatorin steht locker im Raum, die Sprache ist einfach und verständlich und auch ein paar „Ähs“ und Ähms“ lassen sich raushören. Bei den großen Youtubern hat sich der WDR auch etwas abgeschaut: Am Ende des Videos wird brav um Kommentare, Likes und Meinungen gebettelt.

Ob der WDR mit diesem Format wirklich an die junge Zielgruppe anschließen kann, wag ich zu bezweifeln. Auch wenn die Darstellungsform lockerer wirkt, so ist es doch nur ein Thema der Tagesschau, dass in drei Minuten „meinungsfreudig“ bearbeitet wird. Ich würde mir mehr Visualisierungen wünschen, wie z.B. bei Logo vom Kinderkanal, angepasst an junge Erwachsene. Außerdem fehlt mir der Mehrwert. Was wirklich neues habe ich nicht erfahren. Der Bericht über Pegida war außerdem sehr einseitig, wobei es gerade bei diesem Thema wichtig ist, beide Seiten zu zeigen. Am Ende schießt sich die „Lügenpresse“ damit noch ins eigene Bein.

Natürlich war das erst die erste Folge und ich werde auf jeden Fall dranbleiben und beobachten, was für eine Entwicklung #3sechzich annimmt.

 

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